Forderungen des Vereins Klimastadt Zürich bezüglich eines erweiterten
Klimaschutzziels in der Stadt Zürich
Stand: 13. Januar 2026
Gemäss dem dritten Netto-Null-Zwischenbericht des Zürcher Stadtrates (2025) nahmen zwar die auf Stadtgebiet anfallenden direkten CO2-Emissionen erneut leicht ab, jedoch bleiben die indirekten CO2-Emissionen insbesondere durch die Zunahme der Flugreisen und die starke Bautätigkeit weiter viel zu hoch. So umfassen aktuell die indirekten CO2-Emissionen 86 % und die direkten CO2-Emissionen 14 % der Gesamtemissionen. Bis 2040 will die Stadt bei den direkten CO2-Emissionen auf Stadtgebiet netto null erreichen. Bei den indirekten “importierten” CO2-Emissionen muss die Stadt minus 30 % gegenüber 1990 erreichen. Damit die Stadt Zürich bis 2040 ihre Klimaziele erreichen kann, müssen bisherige klimaschutzrelevante Massnahmen deutlich verstärkt werden. Zudem benötigt die Stadt hierfür die Unterstützung des Kantons und des Bundes, was derzeit nur ungenügend gegeben ist.
Mobilität
Es braucht eine starke Reduktion des Autoverkehrs und die Förderung von klimaverträglichen Mobilitätsformen. Die Velo-Vorzugsrouten sind unverzüglich umzusetzen, der Veloverkehr muss aber auch auf den anderen Strassen gefördert werden. Strassenkreuzungen sind fussgänger- und velofreundlich zu gestalten, beispielsweise durch längere Grünphasen für Zufussgehende und Spezialsignalisation für Velofahrer*innen. Wir fordern zudem die Einführung von Tempo 30 in der gesamten Stadt, also auch auf Hauptverkehrsachsen. Um das Umsteigen zu erleichtern, müssen Bahn, Tram und Bus weiter ausgebaut werden, auch ausserhalb der Stadtgrenzen. Der begonnene Abbau von Parkplätzen soll weitergeführt werden. An deren Stelle sind neben dem Ausbau der Infrastruktur für Fussgänger*innen und Velofahrer*innen klimaverträgliche Nutzungen wie Grün- und Freiräume vorzusehen. Zürich soll von einer Autostadt zu einer klimafreundlichen Fussgänge*innen- und Velostadt werden.
Gebäude
Die Dekarbonisierung bei den Gebäuden muss deutlich schneller vorangehen als bisher. Das betrifft nicht nur die bessere Isolation der Häuser und deren Ausstattung mit einer CO2-neutralen Energieversorgung. Beim Neu- und Umbau von Gebäuden muss künftig die graue Energie konsequent mit eingerechnet werden. Statt Ersatzneubauten sollen Renovationen gefördert und gefordert werden. Die Stadt soll beim Bau und Betrieb ihrer eigenen Liegenschaften vorbildlich handeln, Leuchtturm-Projekte entwickeln und die Grenzen des Machbaren ausloten. Zudem müsste sie neben der Einflussnahme auf kantonaler und Bundesebene dringend ihre Informations- und Beratungstätigkeit für private Bauträger ausbauen. Gemeinsam mit dem Kanton sollen verbindliche Grenzwerte für die graue Energie beim Bauen festgelegt werden.
Erneuerbare Energie und Fernwärme
Bezüglich Solarenergie belegt die Stadt Zürich in der Rangliste der grösseren Schweizer Städte einen hinteren Platz. Die Umrüstung von Gebäuden auf erneuerbare Energien muss deutlich schneller vorangehen. Das ewz ist gefordert, die Fördermassnahmen so auszugestalten, dass für private Hausbesitzer*innen deutlich grössere Anreize bestehen, auf Dächern und an Fassaden Solar-Anlagen einzurichten. Zudem muss das ewz Planungssicherheit geben. In seiner Arbeit sollte das ewz der Förderung der Solarenergie eine deutlich höhere Priorität einräumen. Auch neue Lösungen sollen erprobt werden. Es braucht zudem eine koordinierte Förderung von Gründächern und Solaranlagen.
Bezüglich der Fernwärme, die in Zürich derzeit massiv ausgebaut wird, stellt sich die Frage, wie nachhaltig es ist biogenen und fossilen Abfall zu verbrennen, nur um die daraus entstandenen Emissionen aufwendig abzuscheiden, abzutransportieren und einzulagern. Fernwärme ist nur dann tatsächlich CO2-neutral, wenn die entstehenden CO2-Emissionen gespeichert werden. Dazu braucht es eine klare Strategie und Planung. Für die Spitzenlast ist auf Wärmespeicher zu setzen.
Konsum
Im Bereich der klimafreundlichen Ernährung hat die Stadt einerseits Einfluss auf die eigenen Betriebe (Schulen, Spitäler, Altersheime etc.). Darüber hinaus sollte sie ihre Sensibilisierungsmassnahmen verstärken. Zudem bestehen in der städtischen Landwirtschaftspolitik (7 Betriebe) Möglichkeiten, klimaverträgliche Formen der Landwirtschaft modellhaft umzusetzen und so aufzuzeigen, was möglich ist (und was in der schweizerischen Landwirtschaftspolitik nicht geschieht).
In anderen Konsumbereichen wie Textilien oder Elektronik hat die Stadt mit der Förderung der Kreislaufwirtschaft (bsp. Entsorgung & Recycling), von Secondhand- und Reuse-Projekten sowie Reparaturwerkstätten einen wichtigen Hebel, der noch deutlich ausgebaut werden sollte.
CO2-Abscheidung
Die Stadt unternimmt grosse Bemühungen, die Abscheidung von CO2 voranzutreiben. So wird gegenwärtig in der Kläranlage Werdhölzli ein entsprechender Pilotbetrieb aufgebaut. Zürich betritt damit Neuland und wird zum Modell für andere Städte in der Schweiz und im Ausland. Aufgrund der Erfahrungen mit dem Pilotbetrieb soll die CO2-Abscheidung ausgebaut werden, insbesondere in der KVA, um eine CO2-neutrale Fernwärme zu ermöglichen.
Luftfahrt
Der Flughafen Zürich-Kloten ist der wichtigste Flughafen des Landes und einer der grössten in Europa. Als Aktionärin muss sich die Stadt zusammen mit dem Kanton stärker einbringen, wenn es um die Auswirkungen des Fliegens auf das Klima geht. Namhafte Wissenschaftler*innen zeigen auf, dass technische Lösungen wie das „klimaneutrale Fliegen“ Wunschtraum bleiben, wenn der globale Flugverkehr nicht stark reduziert wird. Auch wenn das Fliegen vollständig auf klimaneutrale Treibstoffe umgestellt würde, bliebe immer noch rund die Hälfte der Treibhausgaswirkung durch die Kondensstreifen. Statt ein Wachstum des Flughafens Zürich-Kloten und der Passagierzahlen zu unterstützen, müsste die Stadt vielmehr auf eine Reduktion des Flugverkehrs hinarbeiten.
Klimagerechte Anpassung
Nebst in die Treibhausgas-Reduktion muss die Stadt Zürich stark in ihre Anpassung an die neuen Klimaextreme investieren. Die Stadt Zürich sollte dafür besonders vulnerable Bevölkerungsgruppen identifizieren, um diesen vor, während und nach Extremereignissen besondere Schutzmassnahmen zukommen zu lassen. So leiden zum Beispiel während Hitzewellen ältere Personen und Frauen besonders unter der Hitze, aber auch Jüngere sind gemäss neuen Studien betroffen. Menschen mit psychischen Vorerkrankungen können mehr Psychosen erleben, Menschen mit Multipler Sklerose erleben stärkere Symptome und generell steigen die Spitaleintritte. Entsprechend braucht es gezielte Anpassungsmassnahmen, um die Auswirkungen auf diese Gruppen abzufedern. Ausserdem sollte die Stadt Zürich sicherstellen, dass Klimaanpassungsmassnahmen, wie zum Beispiel Stadtbegrünung, allen Bevölkerungsgruppen gleich zugutekommen. In anderen europäischen Städten spricht man bereits von grüner Gentrifizierung. Ein Szenario, das in Zürich vermieden werden sollte.
Finanzplatz Zürich
In den städtischen Klimaschutzzielen fehlen die Emissionen des Finanzplatzes Zürich vollständig. Dies beschönigt die städtische Klimabilanz. Nach einer Abschätzung der Klima-Allianz und des Vereins Klimastadt Zürich übersteigen die Treibhausgas-Emissionen die direkten und indirekten Emissionen der Stadt Zürich um ein Vielfaches. Auch wenn der Handlungsspielraum der Stadt gegenüber der Finanzwirtschaft beschränkt ist, bestehen Handlungsmöglichkeiten, um die Klimaschäden des Finanzplatzes Zürich zu reduzieren. Stichworte hierzu sind eine klimaverträgliche Standortförderung der Stadt, die Sensibilisierung der Bevölkerung für diese Problematik sowie die eigene Geld- und Anlagepolitik. Die Klima-Zielsetzung der städtischen Pensionskasse ist zu verschärfen. Zudem erwarten wir, dass die Stadt aktiv auf den Bund einwirkt, damit dieser klare Klimaregelungen für den Schweizer Finanzplatz erlässt (siehe dazu die Forderungen der Finanzplatz-Initiative von Klima-Allianz, SP und Grünen).
Förderprogramme
Aufgrund von Vorstössen im Gemeinderat hat die Stadt Zürich das vorbildliche Förderprogramm „KlimUp“ eingerichtet. Bereits nach einem Jahr waren 43 % des Fünfjahres-Budgets aufgebraucht. Aktuell ist der Topf gar ganz leer und insbesondere für die wichtige Förderung von Klimaschutz-NPOs steht kaum mehr Geld zur Verfügung. Die Stadt sollte den entsprechenden Nachtragskredit deutlich aufstocken. Zudem sollten neben den technischen Lösungen bei der Projektvergabe auch mehr „weiche“ Projekte gefördert werden, beispielsweise im Bereich der Sensibilisierung und dem Aufbau von Klimaschutz-Communities.
Fazit
Trotz guter Absichten ist die Stadt Zürich bezüglich ihres Klimaschutzziels noch nicht auf Kurs. Dies deutete sich bereits mit dem Zwischenbericht 2024 an und hat sich 2025 bestätigt.
Es ist zu begrüssen, dass die Stadt jährlich überprüft, wie sie mit den bereits ergriffenen
Klimaschutzmassnahmen auf Kurs ist. Es ist jedoch bereits jetzt absehbar, dass dies 2024 in wichtigen Bereichen nicht der Fall sein wird. Die Stadt sollte daher nicht davor zurückschrecken, auch härtere und bindendere Schritte zu unternehmen. Dazu gehören neben Lenkungsmassnahmen auch neue Vorschriften, zum Beispiel die Pflicht, auf Dächern und an Fassaden Photovoltaik zu installieren und Bauherren dazu zu bringen, die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft anzuwenden. Das würde insbesondere weniger Abriss von Gebäuden und das Bauen mit recycelten und klimafreundlichen Materialien bedeuten, die Wiederverwendung von Bauteilen mit dem Ziel, die graue Energie stark zu reduzieren. Vom Kanton Zürich, der in vielen Bereichen zuständig ist, erwarten wir, dass er die Stadt Zürich bei der Umsetzung ihrer Klimaschutzziele aktiv unterstützt.
Zudem sollten die Stadt und Kanton in ihre Klimaschutzziele die Emissionen des Finanzplatzes miteinbeziehen. Das immer wieder geäusserte Argument, dass die Behörden keinen Einfluss auf das Verhalten der Finanzinstitute bezüglich Klimaschutz haben, klingt nicht glaubwürdig. Die Vernachlässigung des Finanzplatzes mindert generell den Wert der getroffenen Klimaschutz-Bemühungen in den anderen Bereichen. Die Stadt selbst soll in ihren Finanz-, Verwaltung- und Pensionskassenvermögen stark in Erneuerbare Anlagen investieren.
